Case study
Praktikumsbetreuung
3 Jahre Erwachsenenbildung – Berufsschule mit Ausbildung zum/zur VerkäuferIn
Ein junges Mädchen mit striktem, moslemischem Religionshintergrund, das eine Berufsausbildung macht.
Nicht ausschlaggebend.
Ein junges Mädchen startet ihr Praktikum in einem Lebensmittelgeschäft. Das Mädchen gehört einer sehr traditionellen, moslimischen Familie an und trägt auch ein Kopftuch.
Der Leiter des Geschäfts ist nicht sonderlich sensibilisiert im Umgang mit kulturellen Unterschieden. Er akzeptiert das Mädchen auf Grund seines Standes in der Ausbildungsanstalt, aber sein Fokus liegt nicht auf kultureller Vielfalt.
Ein paar Tage nach Beginn des Praktikums ruft der Manager den Betreuer des Mädchens an, um das Praktikum abzubrechen. Er begründet die Entscheidung damit, dass das Mädchen lustlos sei, nicht gehorcht und nicht machen möchte, was man ihr aufträgt.
Der Geschäftsleiter spricht die Thematik des kulturellen und religiösen Hintergrundes nicht direkt an, aber indirekt begründet er die Entscheidung mit eben dieser Problematik.
Das Mädchen, das von dem Praktikumsbetreuer interviewt wird, sagt, dass der Geschäftsleiter ein Rassist sei.
Der Betreuer bittet noch ein paar Tage zu warten, bevor das Praktikum unterbrochen wird, sodass man eine Evaluierung des Trainingsprojektes durchführen kann.
3 Jahre Erwachsenenbildung – Berufsschule.
Die theoretischen Trainings der zukünftige VerkäuferInnen behinhalten unter anderem die Organisation der Verkaufsarbeit, kundenorientiertes Service, die Funktion der elektronischen Registrierkassa und die klassischen Einzelhandels Funktionen: Buchhaltung, IT, Fremdsprache, Hygiene, Gesundheitsauflagen und Sicherheit.
Der Curriculum beinhaltet 320 Stunden einer praktischen Arbeitseinführung während des dritten Lehrjahres.
Das BetreuerInnenteam besteht aus:
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LehrerInnen, die auf unterschiedliche Berufsfelder ausgebildet sind.
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Ein Kurs-Betreuer.
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Ein/e Praktikumsbetreuuer/in, der/die den Ablauf des Praktikums beobachtet.
Das didaktische Modell sieht wichtige Rolle für den/die Betreuer/in in der Firma, in der das Praktikum stattfindet – aber nicht immer wird die Rolle mit dem notwendigen Interesse vorbereitet und ausgefüllt.
Während des Besuches bei der Firma bemerkt der Praktikumsbetreuer, dass im Zentrum des Problems die aufgetragenen Aufgaben sind: vornehmlich steht das Mädchen bei der Fleischabteilung, wo es unterschiedliche Fleischsorten gibt; sie ist oft in Kontakt mit den Kunden und diese zeigen ihr ein gewisses Misstrauen.
Durch diese Überwachung erkennt der Betreuer/ die Betreuerin die kritischen Aspekte.
Der/die Praktikumsbetreuer/in identifiziert diese und einigt sich mit dem/r Firmenbetreuer/in, dem Mädchen neue Aufgaben (zumindest für den Anfangs-Zeitraum), um so eventuell Reibungspunkte zu reduzieren.
Durch diese Re-Organisation des Praktikums und die Verbesserung des gegenseitigen Verständnisses, können beide – StudentInnen und FirmenbetreuerInnen- ein tolerantes Klima aufbauen.
Zeitgleich initiiert der/die Firmenbetreuer/in die Beteiligung eines speziellen Mediators, der beiden – den StudentInnen und der Firmenbetreuung- helfen kann, einander besser zu verstehen (und im Bezug auf die Situation auch interpretieren kann), welche Situationen Konflikte auslösen oder aufbauen können. In diesem Fall managed der Mentor auch die Interaktion mit der Familie des Mädchens.
Der/die Praktikumsbetreuer/in identifiziert diese und einigt sich mit dem/r Firmenbetreuer/in, dem Mädchen neue Aufgaben (zumindest für den Anfangs-Zeitraum), um so eventuell Reibungspunkte zu reduzieren.
Mediation wird mitttelfristig eine Auswirkung zeigen.
Der Zusammenhang von “Ausbildung im Job” ist besonders gefährdet für Situationen mit interkulturellen Konflikten, die sich dann in Gefühle von Intoleranz umwandeln können.
Hierfür gibt es mehrere Gründe wie beispielsweise:
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Die firmeneigenen BetreuerInnen verfügen nicht über die notwendige Trainings-Ausbildung.
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Stressige Situationen sind häufig im klassischen Arbeitsumfeld und lassen wenig Platz für Mediation.
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Situationen, in denen die Ausbildung einen direkten Umgang mit dem Kunden beinhaltet, verschlimmern oftmals diese Konfliktsituationen.
Eine besondere Vorsicht in der Vorbereitung dieser “Lernsituationen” ist gefordert. Die zeitgerechte Organisation einer speziellen Mediations-Intervention kann viele dieser Radikalisierungen von Konflikten mit einfachen Handlungen abfangen.
Inspiriert von einer konkreten Situation wird der Weg für die Bühne neudefiniert und das inkludiert:
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Ein spezieller Fokus sollte auf der potenziellen Unvereinbarkeit zwischen dem Arbeitsumfeld und der Kultur/ Religion des Schülers/ der Schülerin, die der Stelle zugewiesen wird, liegen.
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Eine spezielle Phase der Vorbereitung (auch möglich in der Klassengruppe) sollte sich mit der Unternehmenskultur der involvierten Firmen beschäftigen und über die Bedeutung, die Starrheit und/oder die Flexibilität von manchen religiösen Praktiken, sowie die Gewohnheiten und das Brauchtum von Heimatlandkulturen. Diese Phase profitiert vom Einsatz eines assistierenden Mediatoren/ einer Mediatorin und/ oder Schlüsselfiguren mit eigenen religiösen Glaubensrichtungen.
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In der Abschlussphase werden die Hauptthemen, die aus den vorigen Phasen herausgekommen sind (siehe Mediation), mit den Firmen-Vertretern vor Antritt des Praktikums besprochen.